Dankschreiben prominenter Persönlichkeiten der Nachkriegszeit

Der Compass erschien seit 1868 praktisch durchgehend über einen Zeitraum von 135 Jahren in Buchform. In dieser Zeit erhielt der Verlag viele Zuschriften von dankbaren Lesern und eifrigen Benutzern dieses im alltäglichen Gebrauch sehr hilfreichen wirtschaftlichen Nachschlagewerks.

Nur einmal gab es aufgrund der kriegsbedingt schwierigen Umstände im Jahr 1945 eine zeitliche Unterbrechung der regelmäßigen Erscheinung von Bedeutung: Am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Doch schon bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde wieder, trotz aller anfänglichen Schwierigkeiten, zuerst mit den Behörden, dann mit den erschwerten Produktionsbedingungen, an einer neuen Ausgabe des Compass, namentlich dem Finanziellen Jahrbuch 1945: Österreich gearbeitet.

Aufgrund der besonderen Umstände, die nationalsozialistischen Behörden hätten das Material und den Stehsatz für den Compass beinahe vernichten lassen und die Produktion war im Wien der unmittelbaren Kriegs- und Nachkriegszeit nicht möglich, wurden die Daten des Redaktionsschlusses vom Jänner 1945 erst im September des gleichen Jahres veröffentlicht. Dementsprechend spiegeln die Informationen dieser Compass-Ausgabe die Situation vor der Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands wider. Die Redaktion äußerte sich zur besonderen Lage im Vorwort der Ausgabe:

Die ungeheure Erschwerung aller Produktionsverhältnisse in den letzten
Kriegsmonaten hat es mit sich gebracht, daß der vorliegende Jahrgang 1945
des „Compass“ nicht, wie gewohnt, im Dezember- des Berichtsjahres oder im
darauffolgenden Januar erscheinen konnte, sondern daß die Fertigstellung
vielmehr eine sich über Monate erstreckende Verzögerung erfuhr. Knapp vor
Kriegsende versuchten die nationalsozialistischen Behörden das damals bereits
vorliegende, in diesem Bande enthaltene Material zu vernichten und durch
Zerstörung aller Bestände dem „Compass“ sowohl die Weiterarbeit unmöglich
zu machen, als auch eine übersichtliche Zusammenstellung der österreichischen
Wirtschaft, wie sie das vergangene Regime bei seinem Sturze hinterließ, zu
vereiteln. Diese Absicht der nationalsozialistischen Behörden mißlang:
Material, Archive und Unterlagen des „Compass“ konnten im letzten Augen-
blick gerettet werden, so daß es nunmehr möglich ist, in dem vorliegenden
Bande ein fast vollständiges Bild der Situation zu entwerfen, in der sich die
österreichische Wirtschaft am Beginne des Jahres 1945, beziehungsweise am
Ende der Naziherrschaft, befand.
Es ist klar, daß unter den gegebenen Umständen der Österreich-Band
1945 des „Finanz Compass“ nicht, wie sonst, die aktuellen Verhältnisse der
österreichischen Wirtschaft widerspiegelt, die zum größten Teil in Trümmern
liegt und nun in mühevoller Arbeit wieder aufgebaut werden muß; es ist
aber ebenso klar, daß man für diesen Wiederaufbau einer Übersicht über
alles das bedarf, was wirtschaftlich in Österreich in der letzten Zeit des
nationalsozialistischen Regimes geschah, teils um Verantwortlichkeiten fest
stellen zu können, teils um das schwierige Werk der Trennung von künstlich
Zusammengeschweißtem und der Wiedervereinigung von künstlich Getrenntem
zu vollbringen in der Lage zu sein. Dadurch, daß der Compass-Verlag die
Aufgabe übernahm und nach Kräften erfüllt hat, eine solche Übersicht zu
bieten, hat er es gleichzeitig vermieden, in der stolzen Reihe der über mehr als
dreiviertel Jahrhunderte sicherstreckenden Serie seiner Jahrbücher eine Lücke
entstehen zu lassen, die sowohl von den sogleich ans Werk gehenden Wirt
schaftspolitikern, wie auch von den künftigen Wirtschaftshistorikern gleich
schmerzlich empfunden worden wäre.
Wir übergeben diesen Band der Öffentlichkeit im Vertrauen darauf,
in absehbarer Zeit die Möglichkeit zu haben, in altgewohnter Weise das Bild
einer auf neuen Grundlagen fußenden, der vollen inneren Gesundung entgegen
reifenden österreichischen Wirtschaft zu bieten, die die Frucht eigener Arbeit
und eigenen Fleißes und das stolze Ergebnis der wiedererrungenen Freiheit
und Selbständigkeit des Landes sein wird.
 
Wien, im September 1945.
 
Die Redaktion.

Download Vorwort aus: Compass. Finanzielles Jahrbuch 1945. Österreich. Hrsg. von Rudolf Hanel. 78. Jg. Wien: Compass-Verlag [s.a.].

Es folgte mit dem Büro-Compass. Ein Nachschlagewerk für die Wirtschaft mit Vormerkkalender im Februar 1946 die erste Veröffentlichung, die mit aktuellen Informationen zur Nachkriegssituation aufwarten konnte. Ein Werk, bei dem die Darstellung der damals gültigen Wirtschaftsgesetzgebung im Vordergrund steht.

Der Fokus auf die juristischen Aspekte wird auch aus den Vorbemerkungen ersichtlich:

                                                        
Im nachstehenden ist die Wirtschaftsgesetzgebung der Republik Österreich
in übersichtlicher Form unter genauem Hinweis auf die entsprechenden Quellen
dargestellt. Die Sammlung ist mit 31. Jänner 1946 abgeschlossen und berück-
sichtigt alle bis dahin verlautbarten, die österreichische Wirtschaft betreffenden
Gesetze und Verordnungen mit den wichtigsten Erlässen, die zu ihrer Durch-
führung ergingen, soweit sie gegenwärtig noch in Kraft stehen. Sie alle sind
im allgemeinen im vollen Wortlaut wiedergegeben, wobei nur die für die Praxis
entbehrlichen Vollzugsklauseln und Strafandrohungen sowie die üblichen ein
leitenden und abschließenden Formeln weggelassen wurden. Wenn ausnahms-
weise der Text gekürzt oder nur auszugsweise wiedergegeben wurde, ist dies
durch Kursivschrift ersichtlich gemacht worden. Von manchen allgemeinen
Gesetzen sind, wie z. B. beim Kriegsverbrechergesetz, nur die Wirtschaftsfragen
betreffenden Gesetzesstellen abgedruckt. Die Kommentierung beschränkt sich
auf die Erklärung der vielen, in den Gesetzen und Verordnungen enthaltenen
Hinweise auf alte, vor dem 27. April 1945 verlautbar'e Bestimmungen, die-zum
Großteil ebenfalls im Wortlaut wiedergegeben wurden, um das lästige Nach-
schlagen überflüssig zu machen und die Brauchbarkeit dieses Handbuches für
die tägliche Wirtschaftspraxis zu erhöhen.
Die nach Redaktionsschluß (31. Jänner 1946) erschienenen, bzw. vom
Nationalrat beschlossenen, aber noch nicht verlautbarten Gesetze sind im
Anhang abgedruckt. Inwieweit die veröffentlichten Gesetze in Kärnten, Ober-
österreich (südlich der Donau), Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg
gelten, wird erst durch Kundmachung der Bundesregierung im Sinne des
Rechtsanwendungsgesetzes bestimmt werden.
 
Wien, am 31. Jänner 1946.
 
 
Die Vorzüge des Werkes streicht auch Ministerialrat Dr. Engelmann von der Post- und Telegraphenverwaltung in seinem persönlichen Dankschreiben deutlich hervor:

 

Über den Büro-Compass von 1946/47, welcher inhaltlich an die Ausgabe von 1945/46 mit mehr Umfang und voller Aktualität anschließt, schreibt der Wirtschaftswissenschaftler und spätere Direktor der Hochschule für Welthandel (Vorläufer der heutigen Wirtschaftsuniversität) in Wien, Richard Kerschagl, in seiner Rezension:

Einige Monate nach dem Büro-Compass folgte im Oktober 1946 der Industrie-Compass 1945/46. In diesem wurden bereits die ersten umfangreichen Erhebungen der Nachkriegszeit in die Dokumentation des österreichischen Wirtschaftslebens mit einbezogen. Dazu die Compass-Redaktion:

 
Durch umfangreiche Erhebungen bei der gesamten österreichischen Industrie
ist es nunmehr gelungen, im Industrie-Compass 1945/46 jenen Stand der öster-
reichischen Wirtschaft festzuhalten, wie er sich im Frühsommer 1946 dargestellt
hat. Mehr als 20.000 Fragebogen mußten verarbeitet werden, um all die zahl-
reichen Veränderungen zu erkunden, die sich in der wirtschaftlichen Struktur
unseres Landes seit 1945 ergeben haben. Der neue Band enthält nach sieben
Jahren zum erstenmal wieder bei der Mehrzahl der enthaltenen Firmen genaue
Angaben über Kapazität, Arbeiterstand, Maschinenpark und Erzeugungsprogramm,
wobei zum Vergleich entsprechende Angaben aus 1944 beigefügt und nach
Möglichkeit auch die im Herbst 1945, beziehungsweise Frühsommer 1946 er
reichten Ausnutzungsgrade der vorhandenen Betriebskapazitäten angeführt wurden.
Bei bonibengeschädigten Firmen wurden überdies noch Angaben über den be-
absichtigten Wiederaufbau und den Zeitpunkt der Betriebsaufnahme aufgenommen.
Redaktion und Verlag haben alles unternommen, um mit großem Kosten
aufwand die unter den gegenwärtigen Umständen größtmögliche Genauigkeit zu
gewährleisten. Die Arbeit wurde dabei durch die bekannten Schwierigkeiten im
Geschäftsverkehr oft stark behindert. Sehr störend machte sich auch der Umstand
bemerkbar, daß die Eintragungen in den Handelsregistern oft sehr verspätet
erfolgen, deren Auswertung insbesondere bei jenen Betrieben wichtig ist, die
unter öffentliche Verwaltung gestellt wurden. Wenn im vorliegenden Bande noch
einzelne Firmen mit einem nicht mehr zeitgemäßen Firmenwortlaut erscheinen
oder mit Angaben, die auf reichsdeutscbe Verbindungen hinweisen, so ist dies
darauf zurückzuführen, daß die entsprechenden Änderungen handelsregistermäßig
noch nicht durchgeführt wurden.

Download vollständiges Vorwort aus: Industrie-Compass 1945/46. Österreich. Hrsg. in Zusammenarbeit mit den österreichischen Kammern für Handel, Gewerbe, Industrie, Geld-und Kreditwesen vom Compass-Verlag. 78. Jg. Wien: Compass-Verlag [s.a.].

Als diese drei Werke erschienen und verschickt worden waren, gab es sehr viele Danksagungen von der Spitze der damals noch jungen, bzw. im Werden begriffenen, II. Österreichischen Republik.

Unter diesen prominenten Persönlichkeiten, die dem Compass-Verlag für seine Bemühungen und Leistung dankten und für die weiteren Publikationen Glück wünschten, waren unter anderen:

Karl Renner - Staatskanzler 1945 und danach Bundespräsident Österreichs bis zu seinem Tod 1950:

Leopold Figl - 1. Bundeskanzler der Zweiten Republik 1945-1953, der in seinem Dankschreiben auch seine persönliche Freundschaft mit dem Chefredakteur des Compass, Leonidas Martinides mit der Unterzeichnung "Dein Figl" zum Ausdruck brachte:

Adolf Schärf - Vizekanzler 1945-1957 und danach Bundespräsident bis zu seinem Tod 1965:

Im Folgejahr erschien bereits ein Handels-Compass, doch ein aktualisierter Finanz-Compass ließ noch bis 1950 auf sich warten.  Mit dem Jahr 1950 beginnt bereits wieder die reguläre Erscheinungsweise der Compass-Bände für Österreich.

In dieser Zeit des beginnenden Wirtschaftswunders und kurz vor Abschluss des Österreichischen Staatsvertrages am 15. Mai 1955, erhielt der Compass-Verlag wieder viele gute Wünsche und Lob von den wirtschaftlichen Lenkern der Republik. Besonders hervorzuheben ist hierbei das zu dieser Zeit wirtschaftspolitisch maßgebliche Duo Raab-Kamitz:

Julius Raab - Präsident der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft von 1946-1953, sowie 1961-1964 und österreichischer Bundeskanzler von 1953-1961:

Reinhard Kamitz - Finanzminister Österreichs von 1952-1960:

Regelmäßige Dankschreiben der wirtschaftspolitischen Prominenz der Republik Österreich begleiteten den Verlag auch in den Folgejahren und bis zum Ende der gedruckten Compass-Werke im Jahr 2003.

Verfasst von:

Mag. Christian Benesch

Betreuung des Compass-Archivs und von ZEDHIA im Compass-Verlag

Diplomstudium Geschichte an der Universität Wien